GALERIE ALTE SCHMIEDE ZIETHEN

Kunst und Handwerk am Rande des Grumsiner Buchenwaldes

Groß Ziethen und Klein Ziethen

Groß Ziethen
 

Fährt man auf der Bundesstraße B198 von der Autobahn von Joachimsthal nach Angermünde könnte man das Dorf fast übersehen. Häuser und Gehöfte  - wie in vielen anderen Dörfern längs der Straße. Ein paar Scheunen und Ställe erinnern an bessere Zeiten. Ein Kirchturm. Ein Autohof. Ein kleines Bistro. Und schon ist man vorbei.

Doch der flüchtige Eindruck täuscht. Das Steinschläger- und Hugenottendorf bietet viel mehr - Historisches und Gegenwärtiges.

In der Umgebung des Dorfes sind zwei Gräberfelder und eine Siedlung der jüngeren Bronzezeit gefunden worden. 
1275 verkauften die Markgrafen Otto V. und Albrecht III. ihr Dorf Cythene an die Mönche von Chorin. Übersetzt weist der Name auf einen Ort hin, in dem Riedgräser und Binsen wachsen. Nach der Hufenzahl für Kirche und Schulzen muss das Angerdorf eine deutsche Gründung gewesen sein. Die Markgrafen müssen von der Rückkaufsklausel Gebrauch gemacht haben, denn 1319 überwies Markgraf Woldemar das Dorf Magma Scyten wieder an Chorin, das vorher der Ritter Slotheko ein Jahr und der markgräfliche Marschall Redekin zwei Jahre besessen hatten. Von letzterem hatte es das Kloster gekauft. Groß Ziethen hat dann während der folgenden Zeit dauernd zum Kloster gehört. Es war ein stattliches, an einem großen See gelegenes Kolonialdorf mit 64 Hufen. Nicht weniger als 35 Kossäten waren vorhanden. 
Nachdem der Kurfürst zum protestantischen Glauben übergetreten war, gingen das Kloster Chorin und sein Besitz und damit auch das Dorf Groß Ziethen 1542 in das Eigentum des Landesherren über. Kurfürst Joachim II. ließ sein Kammergut und späteres Amt Chorin ab 1543 durch Amtleute verwalten. 
Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf völlig zerstört - nur zwei Bauern und ein paar Witwen blieben am Leben. 1686 siedelten 11 französische Emigrantenfamilien in Groß Ziethen, zu denen ab 1689 auch Pfälzer kamen. Sie bildeten eine geschlossene Kolonistengemeinde mit einem eigenen französisch-reformierten Prediger. Erst 1813 wurde die französische Sprache bei den Gottesdiensten abgeschafft. Das französisch-reformierte Pfarramt bestand als einziges in einer brandenburgischen Landgemeinde bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. 
Seit 1675 versah ein "kurfürstlicher Wildschütz" in Groß Ziethen Dienst. Er war für den kurfürstlichen Wildzaun zuständig. Noch 1805 und später wohnte dort ein "Königlicher Hegemeister". 
Groß Ziethen liegt am südwestlichen Rand des Ziethener Seebruchs, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein teilweise noch offener, einen Werder umspülender See war. 1915 legte man das Bruch trocken.

Als Straßenangerdorf hat sich Groß Ziethen bis heute die Form der mittelalterlichen Ansiedlung im wesentlichen bewahrt. Viele Gehöfte enthalten noch charakteristische Teile unterschiedlicher französischer und deutscher Bauart. So sind - nach Manoury (1961) - bei deutschen Gehöften Stall und Scheune getrennt, französische haben einen straßenseitigen Giebel, und der Stall schließt sich am Gebäude hinten an.

Besonders herauszuheben sind die alte Dorfschmiede, die in ihrer heutigen Gestalt vom Ende des 19. Jahrhunderts stammt, deren Geschichte aber weiter in das Mittelalter zurückreicht, und die ehemalige Dampfmühle. Sie wurde um 1890 errichtet und war noch bis 1991 in Betrieb. Zuletzt diente sie als Schrotmühle und Speicher. Danach wurde sie stillgelegt und drohte zu verfallen. Nach grundhafter Sanierung beherbergt das Gebäude seit 2012 das Besucher- und Informationszentrum "Geopark Eiszeitland am Oderrand".

Die Dorfkirche in Groß Ziethen, ein gotischer Feldsteinbau aus dem frühen 13. Jahrhundert, besteht aus einem rechteckigen Schiff und einem eingezogenen, quadratischen Chor. Die ursprünglich rundbogigen Fenster und Portale sind zugesetzt, jedoch noch deutlich erkennbar. Im 30jährigen Krieg (1618 - 1648) wurde die Kirche zerstört. Erst in der Zeit der Ansiedlung französischer Flüchtlinge (Hugenotten) wurde die Kirche wieder aufgebaut und 1717 fertiggestellt. Die hineingebrochenen, backsteingefassten Spitzbogenfenster und die gotisierende Westvorhalle entstanden während der Restauration 1864, ebenso der Ausbau des Inneren mit West-Empore und spätklassizistischem Kanzelaltar. Über dem Westgiebel befindet sich ein quadratischer, verbretterter Dachturm von 1717.  Die 3 Gussstahlglocken wurden 1929 vom damaligen Pfarrer Traugott Doyé beschafft. Die ursprünglich vorhandenen Glocken aus Bronze mussten im 1. Weltkrieg für die Munitionsherstellung abgeliefert werden.


 

Klein Ziethen 

Das Dorf am Rande des Großen Ziethener Sees muss 1319 bereits gestanden haben, da nur so die damalige Bezeichnung des Nachbarortes als Groß Ziethen erklärbar ist. Die Annahme, dass eine ältere slawische Siedlung als Vorgängerin bestanden habe, konnte archäologisch nicht bestätigt werden. Der Ort weist mit seiner Anlage als angerförmiges Platzdorf in die Zeit der deutschen Kolonisation des 13. Jahrhunderts zurück.
1329 wird "parva Cyten" zum ersten Male genannt als Markgraf Ludwig das Dorf an den markgräflichen Vasallen, Arnim von Arnsdorff, verlehnte. Die Familie besaß es lt. Landbuch auch 1375. 1466 verkauften sie es bis auf einen Rittersitz, der bis ins 19. Jahrhundert bei den Arnsdorff auf Altkünkendorf und deren Nachfolgern verblieb, an das Kloster Chorin.
Wie in den Nachbarorten lebten auch in Klein Ziethen seit dem 14. Jahrhundert Anhänger der Waldenser (böhmische Sektenbewegung). Weil der damalige Ortsschulze Johann Gorisz einen böhmischen Wanderprediger beherbergt hatte, musste er sich zusammen mit diesem in Berlin vor dem Bischof verantworten. Der Schulze schwor der sektiererischen Bewegung ab. Auch die meisten der übrigen Dorfbewohner fügten sich vor einem Inquisitionsgericht in Angermünde. Weitere Verfolgungen führten aber zur Auswanderung einiger Familien nach Böhmen.
Nach der Säkularisierung 1542 kam der Klosterbesitzes, zu dem auch Klein Ziethen gehörte, zum kurfürstlichen Amt Chorin.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf 1637 zerstört und stand 1680 leer. Deshalb wurden 1686 11 Refugiés (Glaubensflüchtlinge) angesiedelt. Alle Siedler stammten aus einer Gegend (Dörfer bei Mons im Hennegau), so dass sie sehr schnell sesshaft wurden.
Die Separation (Aufteilung des dörflichen Gemeinlandes an die bisherigen Nutzer) im 1. Drittel des 19. Jahrhunderts ermöglichte sowohl den Ausbau von Bauerngütern auf der Feldmark, wie bei den Töpferbergen, als auch die Errichtung eines Großbauernhofes etwa 2 km nördlich von Klein Ziethen, der 1846 den Namen Luisenfelde erhielt.

Klein Ziethen liegt in einer hügeligen Grundmoränenlandschaft, umgeben von Wiesen und Feldern. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Dorf wesentlich durch Hugenotten, französische Emigranten, geprägt. Der alte Gasthof "Zur Dorfaue" erinnert, wie auch einige andere Häuser, an den Baustil des 17. Jahrhunderts.

Die Kirche von Klein Ziethen ist ein schlichter, spätgotischer, verputzter, rechteckiger Feldsteinbau. Vermutlich ist die Kirche im Kern mittelalterlich (13. Jahrhundert), wurde jedoch nach 1685 erneuert. Der quadratische Westturm aus Backstein stammt von 1880, als man auch das Innere umgestaltete.

Klein Ziethens Umgebung bietet mit einzelnen Höhenrücken hervorragende Aussichtpunkte (Kernberge, Töpferberge, Drebitzberg).
Der Ortsteil Luisenfelde liegt 2 km nordnordwestlich von Klein Ziethen. Die erste schriftliche Erwähnung erfolgte 1846. Er war von Anfang an im Besitz der Familie von August Otto. 1946 wurde der Gutsbesitzer enteignet und das Land aufgeteilt. Der Ortsteil Töpferberge, auch als Vorwerk bezeichnet, liegt 2,3 km nordwestlich von Klein Ziethen. Es wurde 1861 erstmals schriftlich erwähnt.
Albrechtshöhe, 2,5 km nordnordwestlich von Klein Ziethen, inmitten des wildreichen Grumsiner Forstes gelegen, wurde 1848 das erste Mal erwähnt. Der Ortsteil besteht lediglich aus einem Forsthaus und einem Waldarbeitergehöft.


 

Unter Verwendung von:

Die Kunstdenkmäler des Kreises Angermünde. Heft IV, Greiffenberg, Joachimsthal, Amtsbezirke Görlsdorf, Grimnitz, Altkünkendorf. Berlin 1929
Landschaften in Deutschland - Werte der deutschen Heimat. Um Eberswalde, Chorin und um den Werbellinsee. Böhlau Verlag, 2002